Freitag, 27. Juli 2012

Karamel Sutra.. Oder Delhi Delha Delirium

Unser Weg von Delhi nach Agra.

Ich hab ja schon erwähnt, dass Indien ein langgehegter Traum von mir war. Nach einigen Aufenthalten in Süd-Ost-Asien war mir nach einer neuen Herausforderung. Und auch wenn jetzt vielleicht Unverständnis aufkommt. Ich mag das. Die Gerüche (nicht immer schön), das einfache Leben mit Rucksack (teilweise zugegeben eher unbequem) und das Gewusel, die Hektik Asiens. Alles riecht, ist laut, viele Menschen und eine sehr andere Kultur, von sprachlichen Hindernissen ganz zu schweigen. Aber so bin ich. Momentan ist das mein Verständnis von Traumurlaub. Mein Bruder hat so schön gesagt "nicht für Geld würde ich hinfahren, wie kannst du dich nur freuen.."  Aber das Schöne an den Menschen ist ja, dass wir so unterschiedlich sind.

Ich habe ein paar Gedanken in einer Art Reisetagebuch festgehalten, zusammen mit ein paar (mehr) Bildern spiegelt das meine Eindrücke und Erlebnisse von Indien ganz gut wieder finde ich.

Eingebrannt haben sich mir die Erinnerungen an Slumdog Millionaire Szenen - klar, die Inder sind arm, und wollen mich betrügen, bestehlen, kleine Kinder, die neugierig sind, nähern sich mir nur an, um danach mit meinem Geldbeutel auf und davon zu laufen.
Ich muss sagen, die ersten Tage habe ich in ständiger Skepsis verbracht, niemandem vertraut, eher Vorurteils-behaftet misstraut, ganz nach dem Motto "ich habe Slumdog Millionaire gesehen, und weiß was gespielt wird". Schade, und dumm im Nachhinein, denn was ich eigentlich von Beginn an in Indien erlebt habe, war Hilfsbereitschaft und Neugier, Interesse an uns Touristen (wo es doch eigentlich andersrum sein sollte). Gut, natürlich gibt es in Indien, gerade in Delhi, auch Schlepper, die die in Geschäfte und Reisebüros bringen wollen, wo sie eine Kommission bekommen, aber die gibt es ja überall. Aber dann wieder hat mir ein Geschäftsbesitzer, in dessen Laden ich nur einen kleinen Holzstempel kaufen wollte, umsonst den Arm mit Henna bemalt. Er wollte das so, meinte er, ich war verwirrt und unsicher, will er Geld, ist das wirklich das KARMA, von dem in Indien jeder spricht? Ich ging und er winkte mir nach. Es gibt wohl noch nette Menschen. Ein Inder im Hotel meinte, für mein Henna hätte ich normalerweise ca 50 Euro zahlen müssen. Mindestens. Wenn man bedenkt, dass viele Inder nicht viel mehr im Monat verdienen, ein unglaubliches Geschenk. (Foto gibt es davon keines - ich bin eigentlich nicht so der Henna-Typ, aber es war ja nett gemeint :)) Jedenfalls gab ich dann ein perfektes Bild der von mir so belächelten Individual-(und wir zeigen es!)Touristen ab...
Delhi, unser erster Stop war überwältigend. Laut, dreckig und voll, aber man stumpft erschreckend schnell gegenüber Bettlern und Krüppeln ab (wieder ein Slumdog Millionaire Phänomen, traurig, wenn einem selbst die Vorurteile bewusst werden, die man so in sich trägt). Und Kühe überall. Die berühmten, heiligen Kühe... Arrogante, verzogene Biester muss ich als Ungläubige leider sagen. Stehen überall rum, im Weg, denken auch gar nicht daran selbigen zu verlassen und während wirklich jeder und jedes Ding in Indien aus dem Weg gehupt wird, um die "holy cows" machen sie alle einen großen Bogen. Dass selbige sich ganz unheilig von dem Müll, der zuhauf auf den Straßen liegt, ernähren und oft auch an von ihnen verspeisten Mülltüten sterben, ist traurige Tatsache.
Klar haben wir viele Sehenswürdigkeiten in Delhi besichtigt und fotografiert (und wurden als Sehenswürdigkeiten besichtigt und fotografiert) fasziniert hat mich aber vor allem die Marktstraße und natürlich die Menschen und ihre Lebenseinstellung.
Was jetzt folgt ist eine Bilderflut aus Delhi, enjoy
In Sachen "mir aufschreiben oder merken, wo das war, bin ich schlecht. Orte, ja - Namen von Sehenswürdigkeiten sind allerdings Schall und Rauch - in einem Park mit Überresten eines alten Palastes..
 Wie gesagt, ich liebe nicht nur die Sehenswürdigkeiten eines fremden Landes, sondern vor allem auch ihre Menschen und deren Lebensweise (das klingt ein bisschen als würde ich darüber schreiben, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, aber ein bisschen ist es ja auch so. Oben ein Pärchen in einem Park vor einem Mausoleum (Palast), das dem berühmten Taj Mahal ein Vorbild war, und das gleich im unteren Foto folgt. Übrigens sind zärtliche Berührungen wie diese hier selten in Indien, es ist verpöhnt viel Haut zu zeigen und da leider die Inder eine sehr patriarchalische Einstellung haben und die Frau tunlichst ins Haus und hinter den Herd gehört (man sieht wirklich wenig Frauen in Geschäften oder Hotels arbeiten oder auf der Straße unterwegs), war dieses Bild in Delhi absolut die Ausnahme (in späteren Posts werde ich noch übers Landleben schreiben, da wird dann auch gern mal total verschleiert)
Im unteren Bild ein paar Arbeiter im selbigen Palastgarten beim Arbeiten, sehr traditionell, sehr handwerklich. Auch wenn Indien als eine TechnikHochburg bekannt ist, im täglichen Leben ist das noch nicht angekommen.

 Besagter Palast - ich finde man sieht ein Gesicht in dem Teil mit der großen Kuppel. Oder zumindest ich sehe ein Gesicht :) 
Hier sieht man nochmal ein Beispiel für die Handarbeit - und ausnahmsweise auch mal eine Frau beim Arbeiten in der Öffentlichkeit. Bemerkenswert war übrigens außerdem, dass 98% der Frauen immer im traditionellen Sari gekleidet waren. Das hat noch mehr zum schönen und geheimnisvollen Flair Indiens beigetragen!
Technik in Indien - bezogen auf Handys - ist wirklich angekommen, wenn auch keine supermodernen Smartphones, so hatte jeder Inder ein Handy, mit dem ich als Blondine auch immer fotografiert wurde  (und wenn man die 3 jungen Männer auf dem Foto betrachtet, dann kann man sich vielleicht vorstellen in wie vielen Variationen ;)) Das war etwas, was ich so noch nie erlebt und in einer Metropole wie Delhi auch nicht erwartet hätte - aber bei der Unmenge an Indern gehen die Touristen wirklich unter. Ein bisschen leid getan haben mir immer die Ehefrauen, wenn der Mann mich ansprach "My wife wants a picture with you" und das wesentlich wichtigere Foto war aber dann das, wo er neben mir stand und welches seine Frau machen musste...
 Das untere Bild habe ich ja schon kurz im Teaser vorgestellt, es ist aber eines meiner Lieblingsbilder, da ich a) nirgends sonst so viele Frauen auf einmal gesehen habe und es b) die Farbvielfalt Indiens für mich wiederspiegelt. Indien ist bunt. Wer auf schlicht, schwarz-weiß oder so steht, ist hier defintiv falsch. Überall findet man Kitsch, (in den neueren Tempeln, in jedem Laden) Gold und bunte Farben!  Das obere habe ich in einem muslimischen Viertel geschossen, wir hatten das Glück freitags in Delhi zu sein, und dort wird dann traditionell zum Gebet gerufen und gepredigt. Ich liebe einfach die verschiedenen Farben der Saris und Tücher, die man dort findet.
 Die Kinder vor der Moschee, waren wir immer sehr neugierig und wir hatten viel Spaß zusammen Fotos zu machen, vor allem in den kleinen Frechdachts links habe ich mich total verliebt. Es ist bestürzend in welchen Umständen die Kinder dort teils aufwachsen, und das war noch weit entfernt von jeder Art von Slum! Aber auch faszinierend, wie sie das beste draus machen, und wenn es eben keinen Spielplatz gibt, wird halt auf den flachen Dächern rumgeturnt und Ball gespielt!

Eines meiner Lieblingsbilder aus einem stilleren Eck auf dem Moschee-Platz.
Ein Beispiel von so vielen, dass das Leben auf der Straße stattfindet - Wer von uns würde wohl hier zum Friseur gehen? 
Die berühmt-berüchtigten "holy cows"... Beim Essen. Wie oben schon erwähnt, ist Müll ihre Hauptnahrung.
Ein bisschen Sonnenuntergang muss sein. Alter Palast in Delhi.
Ich schwelge jetzt ein wenig in wehmütigen Urlaubserinnerungen und bereite gedanklich schon mal den nächsten Stop - Agra (Taj Mahal) vor. Und jetzt raus, die Sonne und vor allem das Leben genießen - es ist Wochenende!
xx Judy

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